Inmitten des frühen Herbstnebels erhebt sich die kraftvolle Stimme des Waldes – die Rothirschbrunft. Hier, still zwischen den majestätischen Hirschen zu stehen, ist ein unglaubliches Privileg.

Der erste Kontakt

Es ist ein Mittwoch im Oktober, kurz nach fünf Uhr morgens. Der Forstenrieder Park liegt noch in tiefem Dunkel, als ich meinen Ansitzplatz aufsuche. Das Gras ist nass, die Luft riecht nach Erde und Herbst. Und dann – ein Röhren. Tief, brummend, fast erschütternd.

Der Hirsch ist noch nicht zu sehen, aber er ist da. Nah.

Stunden der Stille

Was folgt, sind Stunden des Wartens. Wildtierfotografie lehrt Geduld wie kaum eine andere Aktivität. Man sitzt, man lauscht, man beobachtet. Manchmal vergehen Stunden ohne eine einzige lohnende Begegnung. Und genau das ist das Wesen dieser Arbeit.

Gegen acht Uhr tritt er aus dem Schleier des Nebelwaldes. Ein kapitaler Zwölfer, das Geweih noch feucht vom Morgentau. Er hält inne. Wittert. Dreht den Kopf in meine Richtung – und ich halte den Atem an.

Das Privileg der Unsichtbarkeit

Der Schlüssel zur Wildtierfotografie ist Unsichtbarkeit. Nicht im wörtlichen Sinne, sondern im Verhalten. Keine schnellen Bewegungen. Kein Geräusch. Man wird Teil der Umgebung, bis die Tiere einen vergessen – oder nie bemerken.

Genau in diesem Moment, wenn der Hirsch sein Geweih hebt und die Luft von seinem Ruf erzittert, scheint die Zeit stillzustehen.

Kamera Sony A9 II
Objektiv RF 600mm f/4L IS